Wie viel Geld fehlt dir im Ruhestand wirklich? Die Rentenlücke klingt abstrakt, ist aber am Ende eine einzige Subtraktion. Hier bekommst du die Formel, ein durchgerechnetes Beispiel und einen kostenlosen Rechner, der dir die Arbeit abnimmt.
Die kurze Antwort. Rentenlücke = Bedarf im Ruhestand minus erwartete gesetzliche Rente minus bereits vorhandene private Vorsorge. Als Bedarf rechnest du mit rund 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens. Das Ergebnis ist der Betrag, der dir Monat für Monat fehlt, solange du nichts änderst. Mit dem kostenlosen Rentenlücken-Rechner hast du deine Zahl in zwei Minuten.
Die Formel: drei Zahlen, eine Subtraktion
Für die Rechnung brauchst du nur drei Zahlen:
- Dein Bedarf im Ruhestand. Als Faustregel gelten rund 80 Prozent deines heutigen Nettos. Miete, Gesundheit und Freizeit bleiben, nur Arbeitswege und Rentenbeiträge fallen weg.
- Deine erwartete gesetzliche Rente. Die Zahl steht in deiner jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Selbstständig und ohne gesetzliche Ansprüche? Dann setzt du hier 0 an.
- Deine bestehende private Vorsorge. Was deine heutigen Verträge im Ruhestand voraussichtlich monatlich auszahlen. Unsicher? Lass die Zahl weg und rechne konservativ.
Daraus ergibt sich: Rentenlücke = Bedarf im Ruhestand minus gesetzliche Rente minus private Vorsorge. Mehr Mathematik ist es nicht.
Ein Beispiel zum Nachrechnen
Nimm Lisa, 35 Jahre, angestellt, 2.400 Euro netto im Monat. Ihre Rechnung sieht so aus:
- Bedarf im Ruhestand: 80 Prozent von 2.400 Euro sind 1.920 Euro im Monat
- Erwartete gesetzliche Rente laut Renteninformation: 1.250 Euro
- Bestehende private Vorsorge aus einem alten Vertrag: 150 Euro
1.920 minus 1.250 minus 150 ergibt eine Rentenlücke von 520 Euro im Monat. Über einen Ruhestand von 25 Jahren summiert sich das auf mehr als 150.000 Euro, ohne Inflation gerechnet. Diese Werte sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose, aber sie zeigen die Größenordnung, um die es geht.
Warum die einfache Formel eher zu freundlich ist
Drei Dinge machen die echte Lücke in der Regel größer, nicht kleiner. Erstens ist die Zahl in der Renteninformation ein Bruttowert, von dem noch Steuern und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgehen. Zweitens steigt dein Bedarf mit der Inflation, während die Formel mit heutigen Preisen rechnet. Was steigende Preise mit Erspartem machen, habe ich im Beitrag Geld auf dem Konto verliert an Wert durchgerechnet. Drittens unterschätzen viele, wie lange der Ruhestand dauert: 25 Jahre und mehr sind keine Ausnahme.
Nimm deine erste Zahl deshalb als Untergrenze. Genau dafür ist sie trotzdem wertvoll, denn sie macht aus einem diffusen Gefühl eine konkrete Größe, mit der du planen kannst.
Was du mit deiner Zahl anfängst
Der Sinn der Rechnung ist nicht, dich zu erschrecken. Er ist, dass du früh genug gegensteuern kannst. Drei Schritte haben sich bewährt:
- Früh anfangen. Die Zeit ist dein größter Hebel, weil der Zinseszins über Jahrzehnte arbeitet. Jedes Jahr früher zählt.
- Bausteine passend mischen. Wie die Altersvorsorge in Deutschland aufgebaut ist, zeigt dir der Überblick zum 3-Schichten-System. Selbstständige finden ihren Fahrplan im Beitrag Altersvorsorge für Selbstständige.
- Regelmäßig nachrechnen. Einmal im Jahr reicht, zum Beispiel wenn die neue Renteninformation kommt.
Die Rentenlücke ist eine Momentaufnahme mit Annahmen. Gehalt, Familie, Zinsen: alles kann sich ändern. Rechne lieber heute mit einer ehrlichen Schätzung als irgendwann mit einer perfekten Zahl. Nachjustieren gehört dazu.
Häufige Fragen zur Rentenlücke
Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Bedarf im Ruhestand minus erwartete gesetzliche Rente minus vorhandene private Vorsorge. Als Bedarf setzt du rund 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens an. Die Rentenzahl findest du in deiner jährlichen Renteninformation, die Vorsorgewerte in deinen Vertragsunterlagen.
Wie viel Prozent vom Netto brauche ich im Ruhestand?
Als Faustregel gelten rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Miete, Gesundheit und Freizeit laufen weiter, nur berufsbedingte Kosten und Rentenbeiträge fallen weg. Wer zur Miete wohnt oder besondere Pläne hat, sollte eher höher ansetzen.
Wo finde ich meine erwartete gesetzliche Rente?
In der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie kommt automatisch einmal im Jahr per Post an alle, die mindestens 27 Jahre alt sind und fünf Beitragsjahre haben. Dort steht, mit welcher monatlichen Rente du beim aktuellen Stand rechnen kannst.
Was mache ich, wenn die Rentenlücke groß ist?
Nicht erschrecken, sondern anfangen. Je früher du startest, desto kleiner ist der monatliche Betrag, der die Lücke schließt, weil der Zinseszins für dich arbeitet. Welche Bausteine sinnvoll sind, hängt von Einkommen, Steuersituation und Zeithorizont ab und gehört individuell durchgerechnet.
Dein nächster Schritt
Rechne deine eigene Zahl aus. Der Rentenlücken-Rechner braucht drei Angaben und zwei Minuten, kostenlos und ohne Anmeldung. Wenn du deine Zahl kennst und wissen willst, wie du die Lücke konkret schließt: Ich bin Eduard Strekert, Vermögensberater für die Deutsche Vermögensberatung AG in Lüdenscheid, und rechne das im Erstgespräch gemeinsam mit dir durch.
Passend dazu:
- Rentenlücke in 2 Minuten berechnen: der kostenlose Rechner
- Altersvorsorge: das 3-Schichten-System einfach erklärt
- Altersvorsorge für Selbstständige: So baust du sie ohne Arbeitgeber auf
Eduard Strekert ist Vermögensberater für die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Er stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.