180.000 Euro liegen auf dem Geschäftskonto, seit Jahren unverändert. „Das liegt da für den Notfall", heißt es dann. Der Satz stimmt fast immer zur Hälfte. Ein Teil des Geldes ist tatsächlich Puffer, sauber begründet. Der andere Teil liegt da, weil noch niemand entschieden hat, was mit ihm passieren soll. Die spannende Frage ist nicht die Rendite. Die Frage ist, wo zwischen diesen beiden Teilen die Grenze verläuft.
Die kurze Antwort. Auf dem Geschäftskonto gehört so viel Geld, wie dein Betrieb an Fixkosten braucht, um eine Zeit ohne Zahlungseingang zu überstehen. Die Rechnung läuft über Monate: monatliche Fixkosten mal Anzahl der Monate, die du überbrücken können musst. Was darüber liegt, ist erst nach Abzug von Steuerrücklage und offenen Rechnungen frei.
Ich bin Eduard Strekert, Vermögensberater für die Deutsche Vermögensberatung AG in Lüdenscheid. Schauen wir uns die Grenze an einem konstruierten Modellbetrieb an.
Der Puffer misst sich in Monaten, nicht in einem Wunschbetrag
Nimm einen Modellbetrieb: eine GmbH mit acht Mitarbeitern, 180.000 Euro auf dem Geschäftskonto, seit Jahren unverändert. Der Betrag ist nicht gerechnet, er ist gewachsen. Genau das ist das Muster.
Nebenbei bemerkt: Die gesetzliche Einlagensicherung greift bis 100.000 Euro je Einleger und Institut (Einlagensicherungsgesetz). 180.000 Euro auf einem einzigen Konto liegen darüber.
Der erste Schritt ist immer derselbe. Nicht „wie viel liegt da", sondern „wie lange trägt das". Dafür brauchst du eine einzige Zahl: deine monatlichen Fixkosten. Fixkosten sind die Posten, die auch in einem Monat ohne einen einzigen Auftrag pünktlich abgehen.
- Löhne, Gehälter und die Arbeitgeberanteile, weil sie im leeren Monat genauso fällig werden wie im vollen
- Miete, Leasingraten, Versicherungsbeiträge und laufende Softwarelizenzen
- Zins und Tilgung bestehender Darlehen
- laufende Steuervorauszahlungen, denn Umsatzsteuer-Zahllast und Einkommen- oder Körperschaftsteuer-Vorauszahlung gehen auch ohne neuen Auftrag ab
- dein eigenes Geschäftsführergehalt oder deine regelmäßige Entnahme, denn privat läuft der Haushalt weiter
Material und Wareneinsatz gehören nicht in diese Liste, weil sie mit der Auftragslage sinken. Vorsicht aber, wenn du in Vorleistung gehst: Wer Material Wochen vor der Kundenzahlung bezahlt, braucht dafür einen eigenen Posten. Im Modellbetrieb ergeben die Fixkosten 30.000 Euro im Monat. Damit ist die Rechnung offen: 180.000 Euro sind sechs Monate Fixkosten.
Arbeitest du ohne Angestellte, fällt der größte Posten weg. Dann sind es im Wesentlichen Miete, Versicherungen, Software, Steuervorauszahlungen und deine private Entnahme. Die Rechnung bleibt dieselbe.
Wie viele Monate du brauchst, entscheidet dein Betrieb, nicht eine Faustregel aus dem Internet. Vier Fragen bringen dich hin:
- Wie lange dauert es wirklich, bis Geld auf dem Konto ist? Nicht das Zahlungsziel zählt, sondern der Zahlungseingang. Wer mit Bauträgern arbeitet, rechnet eher in 60 bis 90 Tagen, dazu kommen Gewährleistungseinbehalte, die Jahre stehen bleiben.
- Wie viel Umsatz hängt an deinem größten Kunden?
- Wie stark schwankt dein Jahr über die Saison?
- Wie lange läuft dein Betrieb ohne dich? Wenn dein Umsatz an deiner eigenen Arbeitszeit hängt, ist das die wichtigste Frage. Ein Betrieb mit acht Leuten trägt ein paar Wochen weiter. Eine Praxis, in der du selbst behandelst, steht.
Jedes Ja zur Unsicherheit schiebt die Zahl nach oben. Im Modellbetrieb kommen drei Monate heraus, weil das Geld nach gut 30 Tagen wirklich da ist, kein Kunde mehr als ein Fünftel des Umsatzes ausmacht, die Auslastung stabil ist und der Betrieb ohne den Chef weiterläuft. Puffer also: 90.000 Euro. Bei dir können daraus schnell fünf Monate werden.
Was der Rest jedes Jahr still kostet
Ein Posten geht vorher noch ab: die Steuerrücklage. Umsatzsteuer-Zahllast und angesparte Nachzahlungen liegen bei vielen mit auf demselben Konto, gehören dir aber nicht. Dasselbe gilt für offene Lieferantenrechnungen und fest geplante Investitionen. Liegt das bei dir mit drauf, zieh es zuerst ab. Im Modellbetrieb läuft die Steuerrücklage über ein eigenes Konto, deshalb bleiben hier 90.000 Euro als offene Entscheidung stehen.
Im Juli 2026 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, endgültiges Ergebnis des Statistischen Bundesamtes, veröffentlicht am 12. August 2026 (Destatis, Pressemitteilung Nr. 283). Rechnest du mit dieser Rate ein Jahr weiter und liegt das Geld unverzinst, sind aus 90.000 Euro real rund 87.550 Euro geworden. Gut 2.400 Euro Kaufkraft, ohne dass sich die Zahl auf dem Kontoauszug um einen Cent bewegt hat. Das ist eine Fortschreibung der Juli-Rate, keine Prognose. Warum das so funktioniert, habe ich am privaten Konto beschrieben: Geld auf dem Konto verliert an Wert.
Der Betrag ist nicht dramatisch. Er ist nur jedes Jahr wieder da. Wenn du wissen willst, wo bei dir die Grenze zwischen Puffer und unentschiedenem Geld liegt, ist genau das der erste Punkt im Erstgespräch. Wie ich mit Selbstständigen und Inhabern arbeite, steht auf der Seite Beratung für Unternehmer, und wie sich Puffer, Rücklage und Investition sortieren lassen, auf Liquidität planen.
Was danach kommt, ist eine Steuerfrage
Für den Teil oberhalb des Puffers gibt es zwei Richtungen. Er bleibt in der Firma und wird dort angelegt, oder er wandert ins Privatvermögen und baut dort etwas auf, das nicht am Betrieb hängt. Der zweite Weg ist der Punkt, an dem der Beitrag Vermögensaufbau für Unternehmer ansetzt.
Welcher Weg für dich günstiger ist, hängt an deiner Rechtsform, deiner Entnahmestrategie und deinem Steuersatz. Das ist eine steuerliche Frage und sie gehört deinem Steuerberater an den Tisch, nicht mir. Ich ordne die Bausteine ein, damit du bei ihm die richtigen Fragen stellst.
Ich kann dir nicht sagen, ob drei Monate für deinen Betrieb reichen, bevor ich deine Zahlen gesehen habe. Und noch etwas: Der Puffer selbst gehört in nichts, was schwanken kann. Er muss an dem Tag verfügbar sein, an dem du ihn brauchst, auch wenn es der schlechteste Tag am Markt ist. Nur der Teil oberhalb des Puffers ist überhaupt eine Anlagefrage.
Häufige Fragen zum Geld auf dem Geschäftskonto
Wie viel Geld sollte auf dem Geschäftskonto liegen?
So viel, wie deine monatlichen Fixkosten mal die Zahl der Monate ergeben, die dein Betrieb ohne Zahlungseingang durchhalten muss. Die Zahl der Monate leitest du aus deinem tatsächlichen Zahlungseingang, deiner Kundenverteilung, deiner Saison und deiner Abhängigkeit von der eigenen Arbeitskraft ab. Ein pauschaler Eurobetrag hilft dir nicht weiter.
Gehört die Steuerrücklage zum Puffer auf dem Geschäftskonto?
Nein. Die Steuerrücklage ist kein Puffer, sie ist bereits vergebenes Geld. Wenn sie mit auf dem Geschäftskonto liegt, zieh sie ab, bevor du deinen Puffer bewertest. Sonst hältst du für Rücklage, was in Wahrheit schon dem Finanzamt gehört.
Was zählt zu den Fixkosten eines Betriebs?
Alles, was auch in einem Monat ohne Auftrag abgeht: Löhne und Arbeitgeberanteile, Miete, Leasing, Versicherungen, Softwarelizenzen, Zins und Tilgung, laufende Steuervorauszahlungen sowie dein eigenes Gehalt oder deine Entnahme. Material und Wareneinsatz gehören nicht dazu, außer du gehst regelmäßig in Vorleistung.
Was mache ich, wenn mein Puffer zu klein ist?
Dann hast du die wichtigere Antwort bekommen. Der Weg führt über die Stellschrauben, nicht über eine Anlage: Zahlungsziele verkürzen, Abschlagszahlungen vereinbaren, Fixkosten senken, den Aufbau des Puffers als festen Posten einplanen. Erst wenn der Puffer steht, ist überhaupt etwas anderes dran.
Kann ich Geld einfach vom Geschäftskonto privat entnehmen?
Bei einer GmbH gar nicht so einfach. Dort gibt es keine Entnahme, sondern Gehalt, Ausschüttung oder Darlehen, und jeder dieser Wege hat eigene Regeln. Beim Einzelunternehmen ist die Lage anders. Kläre das vorher mit deinem Steuerberater, bei der GmbH gegebenenfalls zusätzlich mit deinem Anwalt.
Dein nächster Schritt
Du musst dafür nichts umschichten und nichts abschließen. Es reicht, wenn du nach dem Gespräch weißt, welcher Teil deines Kontostands Puffer ist und welcher Teil eine offene Entscheidung. Meist reicht dafür eine Stunde, und danach steht eine Zahl, die du begründen kannst. Buch dir ein kostenfreies Erstgespräch, persönlich in Lüdenscheid oder per Video.
Eduard Strekert ist Vermögensberater für die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Er stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.